Money illustration

Kapitel 2

Was ist überhaupt Geld?

Bevor wir uns damit beschäftigen, was eine Kryptowährung ist, sollten wir uns zunächst die Zeit nehmen, das Konzept des Geldes selbst zu untersuchen. Was ist Geld? Warum ist es etwas wert? Ist es überhaupt real? Die Beantwortung dieser Fragen wird Ihnen helfen zu verstehen, wie Bitcoin und Kryptowährungen überhaupt entstanden sind.

Clock icon15 Minuten|Pascal Hügli|Veröffentlicht am 10.02.2021|Aktualisiert am 13.06.2024

Auf den Punkt gebracht

  • Wir blicken auf eine lange Evolution des Geldes zurück. Geld war nie ein statisches Konzept, sondern hat sich spontan entwickelt. Von Muscheln bis hin zu Steinen entwickelten sich kostbare Gegenstände als erstes Warengeld. Später ersetzte Papiergeld nach und nach Gold und Silber und gipfelte schließlich im Fiat-Standard. Heute gibt es Geld hauptsächlich in elektronischer Form.
  • Die Dichotomie zwischen Papier- und Goldgeld führt zu einer Schlüsselfrage: Ist Geld durch etwas Reales gedeckt? Es ist wichtig zu verstehen, dass es nicht nur eine Form von Geld gibt. Geld ist eine subjektive Sache, die viele Formen annehmen kann.
  • Während Fiat-Währungen heute die vorherrschende Form des Geldes darstellen, sind in letzter Zeit Fragen nach der Härte des Geldes und seiner Dezentralisierung aufgetaucht. Und warum? Weil es immer offensichtlicher wird, dass Fiat-Geld in Bezug auf diese beiden definierenden Merkmale eher schlecht abschneidet. Fiat-Geld wird laufend entwertet und kann leicht konfisziert werden.
  • Mit Bitcoin und Kryptowährungen sind neue Geldformen als Antwort auf die schlechte Erfolgsbilanz des Fiat-Geldes ohne Goldstandart entstanden. Sie stehen für einen innovativen Weg ein alternatives Finanzsystem abzubilden. Oder anders ausgedrückt: Sie sind ein Versuch Geld als Einflussfaktor auf Wirtschaft, Politik und Gesellschaft den Händen zentraler Planungsinstanzen zu entreißen.

Heute nehmen wir Geld als selbstverständlich hin. Wir nehmen es nicht nur als selbstverständlich hin, sondern viele von uns glauben, dass Geld ein statisches Etwas sei, dessen Natur in Stein gemeißelt ist. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Das Wesen des Geldes hat sich seit seinen Anfängen ständig verändert. Es blickt auf eine lange Geschichte zurück; ja, die Geschichte des Geldes ist letztlich auch die Geschichte der Menschheit.

Wie alles begann...

Diese Geschichte beginnt mit prähistorischen Stämmen. Genau wie wir Menschen heute waren die Mitglieder von Stammesverbänden Menschen aus Fleisch und Blut. Als solche hatten auch sie unterschiedliche Talente, Wünsche und Vorlieben. Folglich schnitzten, sammelten, horteten und tauschten diese vormodernen Wesen verschiedene Dinge. Einigen erschienen Perlen oder Muscheln begehrenswert, während wieder andere Pelze oder Stoßzähne schätzten.

Muschelgeld

Muschelgeld

Kredit: Queensland Museum

Seit Anbeginn der Menschheit haben wir verschiedene Sammelobjekte gesammelt, gehortet und manchmal auch getauscht. Tatsächlich fand das, was wir als echten Tausch - oder tatsächlichen Handel - betrachten, nicht wirklich innerhalb von Stammesclans statt. Die soziale Hierarchie war ziemlich genau festgelegt – alle kannten den Platz darin, wussten, was zu tun war und was besessen wurde.

Das änderte sich erst, als die Menschen begannen, umherzuziehen, als die menschliche Interaktion die Grenzen der Clans zu überschreiten begann. Als Fremde begannen, sich unter andere Fremde zu mischen und mit ihnen zu interagieren. So entwickelte sich langsam ein Austausch und Handel.

Schon bald entstand aus dem was früher Sammler- und Hortgut war Warengeld, um diesen Handel zu erleichtern. Unter diesen Rohstoffen nahmen Gold und Silber die dominante Stellung ein und etablierten sich allmählich als Warengeld schlechthin.

Eine der ältesten Münzen, ein griechisches Electrum aus dem Jahr 650 v

Eine der ältesten Münzen, ein griechisches Electrum aus dem Jahr 650 v

Kredit: cngcoins.com

Edelmetalle und Papiergeld

Edelmetalle waren bald in Form von geprägten Münzen im Umlauf, schließlich ist es bequemer, sie in der Tasche mit sich herumzutragen. Mit ihnen wurde das richtige Messen von Masse und Gewicht einfacher. Das wiederum erlaubte es, Waren und Dienstleistungen zu bewerten und in bestimmten Tauschverhältnissen auszudrücken: Für 1 Münze bekam man 2 Äpfel usw. Diese Bequemlichkeit ließ Tausch und Handel aufblühen.

Papiergeld aus der Song-Dynastie, 11. Jahrhundert

Papiergeld aus der Song-Dynastie, 11. Jahrhundert

Quelle: Wikimedia

Im Laufe der Jahrhunderte wurden immer ausgefeiltere Methoden zur Verwendung von Münzen entwickelt. Im 15. Jahrhundert jedoch sollte die Erfindung der Druckerpresse die Dinge radikal verändern. Was in den italienischen Stadtstaaten Venedig, Florenz und Genua bereits von Kaufleuten und Bankiers genutzt wurde, konnte plötzlich problemlos skaliert werden: Papiergeld war geboren. Zunehmend wechselten nicht mehr Goldmünzen oder Silberbarren die Besitzer, sondern Papierbögen, die in Unzen oder Barren des Edelmetalls denominiert waren.

Verschiedene Formen von Papiergeld wie Wechsel- oder Banknoten wurden erfunden und die Vielfalt als auch die Komplexität nahmen zu. All diese verschiedenen Instrumente hatten jedoch eines gemeinsam: sie waren alle gegen Gold oder Silber einlösbar, welches irgendwo in einem tatsächlichen Tresor existierte.

Unterstützt werden oder nicht unterstützt werden

Mit dieser neuen Abstraktionsebene entstand für die Person, die das Papier ausgibt, eine neue Versuchung. Was wäre, wenn das Papier nicht mehr einlösbar sein müsste? Müsste es wirklich etwas Greifbarem entsprechen? Dies würde zwar das Vertrauen in den Emittenten und das von ihm ausgegebene Papier beeinträchtigen, aber die Versuchung war letztlich zu groß und ihr konnte nicht widerstanden werden.

Ein 100-Dollar-Goldzertifikat

Ein 100-Dollar-Goldzertifikat

Kredit: National Numismatic Collection, National Museum of American History

In den letzten Jahrhunderten wurde das Versprechen eines Papiergeldes, in Gold einlösbar zu sein, immer öfter gebrochen. Dies erlaubte dem jeweiligen Emittenten eine größere Menge an Papiergeld auszugeben, als tatsächlich Gold oder Silber im Tresor vorhanden war, um dessen Wert zu stützen. Die berüchtigte Gelddruckmaschine war geboren.

Dies machten sich vor allem Regierungen zunutze, als viele von ihnen in die beiden Weltkriege eintraten, deren gigantische Ausgaben nur durch die Aussetzung der Einlösbarkeit ihrer Papierwährungen bezahlt werden konnten.

Zwar strebten die Regierungen nach den Kriegen die Wiederherstellung der Goldbindung ihres Papiergeldes an, doch stellte sich dies im Nachhinein als bloßes Lippenbekenntnis heraus. Im Jahr 1971 kappten die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Bindung von Papiergeld und Gold. Der gesamte Planet folgte anschließend diesem Beispiel.

Nachdem der Goldstandard ein für alle Mal verlassen wurde, entwickelte sich die Welt zum Reich des Fiat-Geldes, d.h. das von der Regierung ausgegebene Geld, welches nicht durch etwas Greifbares gedeckt ist.

So sind die Papierwährungen, die Sie täglich benutzen, nicht mehr durch Gold gedeckt, sondern durch Staatsanleihen und das Versprechen der jeweiligen Zentralbank sie funktionsfähig zu halten.

Das Geld von heute ist nicht mehr durch Gold gedeckt, sondern es ist auch kaum noch reales Papier im Spiel. Papiergeld, das wir normalerweise mit Bargeld assoziieren, ist auf dem Rückzug. Heute ist elektronisches Geld angesagt. Auch dieses gibt es in verschiedenen Formen, sei es als Bankeinlage, Debit-/Kreditkarte oder als E-Cash, das über mobile Banking-Anwendungen übertragen wird.

Während sich die Form dieser neuen Instrumente völlig vom Papiergeld unterscheidet, sind ihr Wesen und ihre Substanz im Wesentlichen die gleichen. Elektronische Geldformen sind immer noch Abkömmlinge von Papiergeld, welches wiederum ein Abkömmling von Gold ist. Auf fundamentaler Ebene hat sich also nichts wirklich geändert.

Was ist Geld überhaupt?

Nachdem wir nun einen Einblick in die Geschichte des Geldes bekommen haben und gelernt haben, dass Geld im Laufe der Jahrhunderte einen echten Wandel durchgemacht hat, wollen wir darüber sprechen was Geld eigentlich ist.

Bei all den verschiedenen Formen von Geld die es gab und gibt, gibt es da überhaupt so etwas wie das eine und einzige Geld?

Viele würden dazu neigen, zu glauben, dass nationale Währungen wie der US-Dollar, der Euro oder der Schweizer Franken das sind, was als echtes Geld bezeichnet werden sollte. Sicherlich sind diese staatlichen Währungen heute dominant, Garantien für einen Fortbestand gibt es jedoch auch hier nicht. Gemessen am schlechten Erbe des Papiergeldes scheinen ihre Aussichten in der Tat eher düster.

Was als Geld dient ist immer zeitspezifisch und kontextabhängig. Es gibt nicht das eine Geld für alle und alles.

Bei dem Versuch die Frage zu beantworten was Geld ist, prägte der große österreichische Ökonom Friedrich August von Hayek den Begriff "Moneyness". Wie er es treffend formulierte:

“Money is not to be understood as a noun but as an adjective.”
Friedrich Hayek

Friedrich Hayek

Nach Hayek weisen die Dinge in der echten Welt mehr oder weniger Moneyness auf, was bedeutet, dass einige Dinge in bestimmten Kontexten geldähnlicher sind als andere Dinge.

In Fortführung von Hayeks Gedanken können wir sagen, dass das, was Geld ist, eher subjektiv ist. In der komplexen Welt von heute gibt es eine Hierarchie des Geldes. Für manche Menschen mögen manche Dinge als Geld fungieren, während dieselbe Sache für andere überhaupt keine Geldwertigkeit hat.

Zum Beispiel fungieren die Geldreserven, welche die Zentralbanken an die Geschäftsbanken herausgeben, als Geld für letztere, aber sie haben keinen monetären Nutzen für normale Menschen. Gleichzeitig können Bankeinlagen von Bankkunden perfekt genutzt werden, um jede Art von Schulden zu bezahlen, aber sie sind im Rahmen einer finanziellen Beziehung zwischen einer Zentral- und einer Geschäftsbank von keinerlei Nutzen.

Geld ist letztlich ein Mittel zum Zweck und es kann viele verschiedene Formen annehmen. Als solches kann Geld als eine Institution zur Skalierung menschlicher Interaktion gesehen werden. Es ist eine Sprache, um mit anderen Gleichgesinnten im Hier und Jetzt, aber auch in der Zukunft zu kommunizieren.

Geld in der Gegenwart stellt ein Tausch- oder Zahlungsmittel dar. Geld der Zukunft hat die Funktion ein Wertspeicher zu sein. In dieser Hinsicht dient Geld als Vehikel, um Zeit und Energie zu sparen, welche später in der Zukunft wieder freigesetzt werden können.

Bewertung der Qualität eines Geldes

Die Härte des Geldes

Wie entsteht Geld? Das heutige Fiat-Geld wird von verschiedenen Institutionen geschaffen. Der bereits erwähnten Hierarchie des Geldes folgend wird das Basisgeld von Zentralbanken geschaffen, während auf diesem Basisgeld Geldsurrogate und Derivate von Geschäftsbanken und anderen bankähnlichen Einrichtungen ausgegeben werden.

Unsere Vorfahren brachten Geld durch Kraft und Energie ins Leben: sie prägten Geld aus Ressourcen, welche in der echten Welt hergestellt oder abgebaut wurden. Das Wampum der amerikanischen Ureinwohner oder die Rai-Steine der Mikronesier waren Beispiele für hartes, hergestelltes Geld.

Gold und Silber sind das typische Beispiel für abgebautes und gemünztes Geld. Diese Arten von Geld werden üblicherweise als Warengeld bezeichnet, da sie aus einer Ware hergestellt wurden.

Je aufwändiger die Herstellung eines Warengeldes ist desto härter ist das Geld sagt man. Edelmetalle gelten als das härteste aller Gelder, da sie steigende Grenzkosten in der Produktion aufweisen. Das bedeutet, dass die Produktionskosten mit jeder zusätzlichen Einheit Gold die produziert wird steigen und es somit immer teurer wird, eine zusätzliche Einheit Gold zu produzieren. Dies ist die definierende Eigenschaft die Gold zu einem harten Geld macht.

Zentralisierung vs. Dezentralisierung

Abgesehen von der Härte ist ein weiteres wichtiges Merkmal, welches die Natur des Geldes definiert, der Grad der Zentralisierung oder Dezentralisierung. Während es kein Geld gibt, das entweder vollständig zentralisiert oder vollständig dezentralisiert ist, können verschiedene Gelder in einem Spektrum von "mehr" oder "weniger" kategorisiert werden.

Wenn die Ausgabe des Geldes durch eine Institution oder ein Gremium erfolgt, ist der Grad der Zentralisierung ziemlich hoch. Dies ist beim heutigen Fiat-Geldsystem der Fall. Die Ausgabe von Fiat-Basisgeld wird von einer jeweiligen Zentralbank durchgeführt, welche ein Gremium aus wenigen Personen darstellt. Dieses Gremium von Technokraten führt die Geldpolitik in Abhängigkeit davon, wie sie die aktuelle wirtschaftliche Situation in ihrem Land interpretieren.

Wie gesagt, kein Geldsystem (und auch kein Geld) ist vollständig zentralisiert. Betrachtet man das heutige Fiat-Geldsystem so wird zwar das Basisgeld zentral ausgegeben und gesteuert, aber die Expansion (und Kontraktion) von Geldersatzmitteln und geldähnlichen Instrumenten geschieht dezentral: jede einzelne Bank trägt dazu bei. Nichtsdestotrotz erfolgt die Ausgabe dieser jeweiligen Geldersatzmittel immer noch zentral durch verschiedene Intermediäre.

Wie schneidet das heutige Papiergeld ab?

Wenn wir nach den Faktoren Härte und Dezentralität urteilen, schneidet Fiat-Geld eher schlecht ab. Fiat-Währungen sind weder hart, noch sind sie wirklich dezentralisiert. Aufgrund der heutigen ultraexpansiven Geldpolitik rund um den Globus ist Fiat-Geld einer ständigen Entwertung ausgesetzt. Obwohl US-Dollar, Euro oder Schweizer Franken gegenüber Alltagsgütern wie Bananen, Milch oder einem Kilo Reis scheinbar preisstabil sind und die Verbraucherpreisinflation nach offiziellen Angaben nahe bei Null liegt, verlieren diese Fiat-Währungen über die Jahre hinweg stetig an Wert.

Dies wird besonders deutlich, wenn man die Preisinflation von Vermögenswerten mit einbezieht: Mit einem bestimmten Betrag an Fiat-Geld kann man im Laufe der Zeit immer weniger von einem bestimmten härteren Vermögenswert wie Immobilien, Gold oder sogar Aktien kaufen.

Was ist mit Gold?

Während Gold das härteste all dieser traditionellen Assets darstellt und schon immer als der beste Wertspeicher wahrgenommen wurde, ist das gelbe Edelmetall auch nicht wirklich dezentralisiert. Es stimmt zwar, dass der Abbau von Gold nicht zentral orchestriert ist und von vielen verstreuten Akteuren durchgeführt wird, hat aber aufgrund seines hohen Gewichts und der hohen Transaktionskosten eine immer stärkere Zentralisierung erfahren.

Goldbarren

Wie härt bin ich?

Da Gold nur als Zahlungsmittel verwendet wurde, begann es sich in Tresoren zu konzentrieren, was zu einer immer stärkeren Zentralisierung führte. Während Gold immer noch in Form von Münzen, Barren und Schmuck in den Händen der Menschen verstreut ist, befindet sich ein großer Teil heute in den Tresoren der Zentralbanken.

Zensurwiderstand einführen

Im Vergleich zu Gold ist Fiat-Geld stärker zentralisiert. Während diese Dichotomie von Dezentralisierung und Zentralisierung recht häufig verwendet wird, ist der Begriff "Zensurresistenz" ein besserer Weg, um zu beschreiben, was die Leute normalerweise meinen, wenn sie sich auf Ersteres beziehen.

Was meinen wir mit Zensurwiderstand? Heutzutage finanzieren wir Dinge, indem wir Fiat-Geld als Haupttauschmittel in einer Welt verwenden, die aus Vermittlern besteht, welche zwischen verschiedenen Parteien vermitteln, die bereit sind, Transaktionen auszuführen.

Da die Vermittler die Macht haben Transaktionen zu genehmigen oder abzulehnen, können sie entscheiden, welche Transaktionen durchgeführt werden dürfen und welche nicht. Diese Macht ist eine Form der Zensur. Infolgedessen ist der Grad der Dezentralisierung oder Zensurresistenz des heutigen Fiat-Systems schwach. Transaktionen können auf der Grundlage willkürlicher Faktoren blockiert werden.

Eine sehr schockierende, aber aussagekräftige Illustration ereignete sich Ende 2010als mehrere Finanzunternehmen von der US-Regierung angewiesen wurden Spenden für Wikileaks, eine gemeinnützige Organisation und ein Informations- und Nachrichtenleakdienst, auszusetzen. Nicht nur blockierten US-Firmen wie Visa, Mastercard oder Paypal Zahlungen an die Website von Wikileaks, sondern sogar der Finanzarm der Schweizer Post, PostFinance, fror die Bankkonten von Wikileaks-Gründer Julian Assange ein.

Während die Aktionen von Wikileaks zur Debatte stehen, zeigt dieses Beispiel, dass das heutige Fiat-Geldsystem jeden nach Belieben zensieren und blockieren kann. Sei es aus politischen, religiösen oder anderen Gründen. Die Tatsache, dass dies möglich ist, sollte ein Warnzeichen für jeden sein, der für eine freie Gesellschaft eintritt.

Die richtige Frage stellen

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Geld in der Tat ein heikles Thema darstellt. Geld ist ein abstraktes Mittel zum Zweck, aber es kann durch eine Kraft namens Gier, die den Menschen von Natur aus antreibt, schnell zum Problem werden. Aus diesem Grund bekommt Geld meist einen schlechten Ruf. Für viele Menschen ist Geld eine bösartige Kraft, die die Gesellschaft korrumpiert. Nicht umsonst gibt es das Sprichwort "Geld regiert die Welt".

Doch wer regiert über Geld? So trivial diese Frage auch klingt, die Antwort ist entscheidend. Sollten Sie Ihr definitives Urteil nur dann auf Geld aufbauen, wenn Sie verstehen, was oder wer es kontrolliert? Wenn Sie sich mit der Beantwortung dieser Frage schwertun, sollten Sie die vorangegangenen Abschnitte noch einmal durchlesen.

Enter Bitcoin

Was hat das alles mit Kryptowährungen zu tun? Fassen wir kurz den Zustand unseres Alltagsgeldes zusammen:

  • Es hat seine Härte verloren, es ist nur noch Papier und Linien in Excel-Tabellen
  • Es ist stark zentralisiert, nur sehr wenige Menschen kontrollieren es
  • Es kann leicht zensiert und Ihnen weggenommen werden

Sehen Sie das Problem? Diese Fragen haben Menschen und Ökonomen in den letzten Jahrzehnten zunehmend beunruhigt. Die Finanzkrise 2007-2008 war für viele ein Wendepunkt.

Etwa zu dieser Zeit wurde die Frage, wer über Geld herrscht, auch von einem Online-Pseudonym namens Satoshi Nakamoto gestellt. In einer obskuren E-Mail-Liste, die an Kryptographen, Libertäre und Krypto-Anarchisten ging, schlug Nakamoto eine Lösung vor und stellte das Konzept eines elektronischen Peer-to-Peer-Geldsystems vor. Das Alleinstellungsmerkmal? Ein Netzwerk von Gleichrangigen, das ganz von selbst laufen und funktionieren würde, ohne dass eine zentrale Autorität es überwacht.

In seiner frühen E-Mail-Konversation mit Leuten erwähnte er, warum eine zentrale Behörde, die Geld überwacht, historisch gesehen immer eine schlechte Wahl war:

“The root problem with conventional currency is all the trust that's required to make it work. The central bank must be trusted not to debase the currency, but the history of fiat currencies is full of breaches of that trust. Banks must be trusted to hold our money and transfer it electronically, but they lend it out in waves of credit bubbles with barely a fraction in reserve. We have to trust them with our privacy, trust them not to let identity thieves drain our accounts. Their massive overhead costs make micropayments impossible.”

Weil traditionelles Geld und das Finanzwesen von einem großen Maß an Vertrauen ihnen gegenüber abhängen und weil dieses Vertrauen immer wieder gebrochen wurde, schlug Nakamoto ein alternatives System namens Bitcoin vor. Dieses System sollte ein neues System sein, in dem weniger Mittelsmänner benötigt werden, in dem das Vertrauen auf eine größere Anzahl von incentivierten Akteuren verteilt werden kann und in dem die Dinge größtenteils durch Programmiercode geregelt und ausgeführt werden.

Bitcoin ist so konzipiert, dass es ein System mit Regeln ohne Herrscher ist. Es ist anarchisch, aber nicht chaotisch. Es ist ein Finanzsystem, das gleichzeitig allen und niemandem gehört. Sein Zweck ist es ein Geld des Volkes, durch das Volk für das Volk zu sein.

Natürlich ist Bitcoin in der Realität nicht perfekt (nichts ist das) und es ist auch nicht völlig trustless. Aber das ist ein Thema für einen anderen Artikel. Sie kennen nun die Geschichte, die Natur und die Qualität des Geldes und wissen, was seine Unzulänglichkeiten sind die Bitcoin und Kryptowährungen zu lösen versuchen.

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Über den Autor

Pascal Hügli

Pascal ist Moderator, Speaker und Dozent an der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ). Er berät das Bankhaus Maerki Baumann in seiner Funktion als Crypto Investment Manager. Als Analyst für den deutschsprachigen Newsletter Insight DeFi informiert er kompetent und prägnant über aktuelle Ereignisse und Chancen der neuen dezentralen Welt von Bitcoin und Co. Pascal ist außerdem Autor des Buches Ignore at your own risk: The new decentralized world of Bitcoin and blockchain.

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